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Einfach texten – sprachliche Barrieren vermeiden

Eine wichtige Grundlage des Inklusiven Internets sind sehr gut verständliche und möglichst kurze Texte in einer klaren, konkreten Sprache.

Das heißt nicht, dass künftig alle Texte in der sogenannten „Leichten Sprache“ angeboten werden müssen. Vielmehr soll sich der Schreibstil der Texte an einer einfachen, gut verständlichen Alltagssprache orientieren. Das entspricht auch der Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0), die fordert, dass für jegliche Inhalte „die klarste und einfachste Sprache, die angemessen ist“, verwendet werden soll. Das bedeutet:

1. Auf verständliche Wörter und einfache Formulierungen achten

Für Nutzerinnen und Nutzer mit Lernschwierigkeiten können abstrakte Begriffe wie zum Beispiel „ermäßigungsberechtigt“ oder „Bezugspflege“ große Hürden sein. Diese sollten ebenso vermieden werden wie Fremdwörter und uneindeutige Formulierungen. Fachsprache sollte nur auf Seiten verwendet werden, die sich direkt an Fachleute richten.

2. Immer konkret sagen, was es ist

Im Inklusiven Internet soll alles so klar und eindeutig wie möglich benannt werden. Das gilt auch für Links und Menüpunkte. Ein Link mit der Bezeichnung „Jetzt am Gewinnspiel teilnehmen“ oder „Jetzt für den Sonderpreis Inklusion bewerben“ ist zum Beispiel aussagekräftiger und konkreter als „Jetzt teilnehmen“. Damit auch die Menüpunkte eindeutig beschrieben werden können, bietet das Navigationsmenü im Inklusiven LWL-Internet auch Platz für längere Bezeichnungen.

Die aussagekräftige Bezeichnung von Links und Menüpunkten ist auch für die Nutzung mit Screenreadern und anderen assistiven Technologien wichtig. So können Nutzerinnen und Nutzer von Screenreadern zum Beispiel innerhalb eines Dokumentes von Link zu Link oder von Überschrift zu Überschrift springen – ohne den gesamten Fließtext beachten zu müssen.

3. Mit Beispielen und Vergleichen arbeiten

Neue Sachverhalte, komplizierte Informationen und Zahlenangaben können die Leserinnen und Leser besser aufnehmen, wenn diese bei ihnen Assoziationen hervorrufen oder mit Beispielen und Vergleichen illustriert werden („so groß wie zwei Fußballfelder“).

4. Keine Phrasen und Klischees

Was vermieden werden sollte: Phrasen („Über Geschmack lässt sich nicht streiten“), abgenutzte Sprachbilder („nur die Spitze des Eisbergs“), Klischees („der langweilige Beamte“), schiefe Bilder („Alten Öltanks geht es an den Kragen“) und Füllwörter („eigentlich“, „irgendwie“).

In Bezug auf Menschen mit Behinderung sind „Opfer“-Klischees ebenso fehl am Platz wie die Dramatisierung des „Tragischen“ und sprachliche Bilder und Floskeln, die diese Menschen auf ihre Defizite reduzieren. Statt von Menschen zu schreiben, die „tapfer ihr Schicksal meistern“, „an einer Krankheit leiden“ oder „an den Rollstuhl gefesselt sind“, sollte ihre Situation neutral beschrieben werden („mit einer Krankheit leben“ oder „im Rollstuhl sitzen“). Auch klischeehafte Formulierungen wie „trotz der Behinderung“ reduzieren behinderte Menschen auf ihre „Defizite“ und verstärken abwertende Bilder von Hilflosigkeit und Leid.

Tipps zur Berichterstattung über Menschen mit Behinderung gibt das Projekt "Leidmedien".
 

5. Einheitliche Bezeichnungen verwenden

Zum Beispiel sollten Kontaktpersonen nicht auf der einen Seite „Kontakte“ und auf einer anderen Seite „Ansprechpartner“ heißen. Auch funktionale Elemente wie Schaltflächen, sollten immer gleich bezeichnet werden. Sie sollten nicht einmal „Bestätigen“, ein anderes Mal „Senden“ oder „Akzeptieren“ heißen. Dinge, die gleich aussehen und dieselbe Funktion haben,sollten auch gleich heißen und sich gleich verhalten.

6. Abkürzungen vermeiden

Abkürzungen sollten gemieden werden (zum Beispiel statt z. B.). Wenn sie doch verwendet werden müssen, sollten sie erst eingeführt werden („Der Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL) feiert sein sechzigjähriges Bestehen“). Nur bei ganz gebräuchlichen Abkürzungen ist eine Einführung nicht mehr notwendig („NRW“, „CDU“, „SPD, ...).

7. Texte kurz fassen und strukturieren

Je kürzer ein Text im Internet ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er gelesen wird. Denn das Lesen am Bildschirm ist anstrengender als auf Papier. Die Nutzerinnen und Nutzer erschließen sich die Seiten durch „Scannen“, das heißt sie überfliegen die Inhalte. Die wichtigsten Informationen sollten deshalb am Anfang eines Textes stehen.

Mit Absätzen lassen sich die Informationen des Textes gliedern.

Um das Scannen und schnelle Erfassen der Seite zu unterstützen, sollten wichtige Seitenelemente wie Links, Überschriften und Bildunterschriften besonders aussagekräftig bezeichnet sein. Sie werden beim Scannen bevorzugt wahrgenommen.

8. Keine langen Schachtelsätze

Eine Variation von längeren und kurzen Sätzen hilft den Leserinnen und Lesern den Text zu verfolgen ohne dass Überforderung oder Monotonie aufkommt. Einfache Hauptsätze mit klarem Subjekt-Prädikat-Objekt-Aufbau helfen, den Inhalt aufzunehmen.

Dabei sollten nicht zu viele (neue) Fakten in einem einzelnen Satz verpackt werden. Weniger Informationen in einem Satz erleichtert die Aufnahme dieser Informationen. Für Satzlänge und Inhalt gelten zwei Faustregeln:

  • Ein Satz sollte aus maximal 15 Wörtern bestehen und
  • nur ein Thema enthalten.

Das Verständnis fällt den Leserinnen und Lesern leichter, wenn ein neu er Satz begonnen wird, anstatt zwei Hauptsätze mit „und“, „aber“ oder „weil“ zu verbinden.

Satzbau und Inhalt sollten übereinstimmen: Hauptinformationen kommen in Hauptsätze, Nebeninformationen in Nebensätze.

Formulierungen im Aktiv lesen sich besser. Deshalb sollten sie den Vorzug vor Passiv-Sätzen bekommen. Die Verben „erfolgen“, „durchführen“ und „stattfinden“ führen leicht zu umständlichen Konstruktionen und sind deshalb zu vermeiden. (Also lieber: „Die Klinik feiert ein Sommerfest“, als „In der Klinik findet ein Sommerfest statt“).

9. Text gut lesbar gestalten

Text sollte immer linksbündig gesetzt werden. Blocksatz oder zentriert gesetzter Fließtext ist schwerer lesbar.

Zudem sollte nicht ausschließlich in Großbuchstaben („Versalien“), sondern immer in Groß- und Kleinbuchstaben geschrieben werden – auch in Überschriften. Die verschiedenen Höhen und Tiefen der Buchstaben geben jedem Wort ein individuelles Bild, was das Lesen erheblich erleichtert.

Mit Sonderformatierungen oder Hervorhebungen wie Kursivstellung oder Unterstreichungen sollte sparsam umgegangen werden, da auch sie die Lesbarkeit verschlechtern.

10. Klare und eindeutige Überschriften

Texte werden umso häufiger gelesen, je klarer und eindeutiger die Überschrift ist. Sie soll zugleich informieren und locken, darf aber nichts verfälschen oder versprechen, was dann der weitere Inhalt nicht hält.